Wassertal - Wasserfluss - Wasser - Oberwischau
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435700 - Viseu de Sus
Maramures - Romania

 

VISEU DE SUS

Geschichte

Auch wenn sowohl Österreich-Ungarn wie auch die deutschsprechenden Kolonisten die Gründung der Stadt für sich reklamieren, wohnten selbstverständlich schon viele Jahrhunderte früher Menschen am Zusammenfluss der Wischau und des Wasserflusses. Erste urkundliche Erwähnungen einer Siedlung datieren aus dem 13. Jahrhundert; sie gehörte zum Besitz der sogenannten Knesen, welche als eine Art rumänischer Ureinwohner gelten und in dieser Zeit dem ungarischen König unterstellt waren.

In den folgenden Jahrhunderten wechselten die feudalen Herrschaften zwar häufig, was aber für das Dorf in der waldreichen Wildnis keine grosse Bedeutung hatte. Dies änderte sich erst, als Österreich-Ungarn im 17. Jahrhundert auch in dieser entlegenen Provinz die wirtschaftliche Entwicklung vorantrieb. Die organisierte Ansiedlung von deutschsprechenden Kolonisten (siehe Zipser) verdrängte die rein bäuerlichen Strukturen; bald kamen auch vor den Verfolgungen in Galizien und Russland flüchtende Juden in den Ort, eröffneten Geschäfte und Handwerkateliers. Der Handel blühte auf, Viseu de Sus wurde zu einem wichtigen Marktflecken und gegen Ende des 19.Jahrhunderts zu einer Kleinstadt.

Nach einer Volkszählung im Jahre 1910 lebten in Viseu de Sus (deutsch Oberwischau, ungarisch Felso Visso, jiddisch Ojberwischo) exakt 5268 deutsche und 5120 jüdische Untertanen der k.u.k. Monarchie (Rumänen gab es innerhalb der Stadtgrenzen praktisch keine, und die ungarischen Verwaltungsbeamten zählte man wohl nicht als Bewohner).

Das Ende des ersten Weltkrieges brachte den Zusammenbruch des habsburgischen Vielvölkerstaates. Die Maramures kam zum Königreich Rumänien, und die Bevölkerungszusammensetzung in Viseu de Sus veränderte sich. 1938 zählte die Kleinstadt 4257 rumänische, 4262 deutsche, 4697 jüdische, 750 ungarische und 161 ruthenische Bewohner.

Im Frühjahr 1944 - Viseu de Sus gehörte seit vier Jahren wieder zu Ungarn - erfolgte die wohl bitterste Zäsur in der Geschichte der Stadt. Innerhalb weniger Wochen wurde, unter dem mit Nazideutschland verbündeten faschistischen Ungarn, die gesamte jüdische Bevölkerung ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Vielleicht 10 Prozent von ihnen überlebten den Holocaust. Einige wenige kehrten nach dem Krieg nach Viseu de Sus zurück, emigrierten aber bald darauf nach Israel oder Amerika. Das „Schtetl“ war vernichtet, die Synagoge wurde 1970 abgerissen. Von der jüdischen Geschichte Viseu de Sus zeugt heute nur noch der grosse jüdische Friedhof auf der „Podori“ oberhalb der Zipserei.

In den fünfziger Jahren setzte in der Kleinstadt eine stürmische Entwicklung ein. Unter dem Kommunismus wurden Strassen asphaltiert, die Haushalte ans Strom und Telefonnetz angeschlossen. Neue Fabriken entstanden, moderne Wohnblöcke, Schulen und Sportplätze, ein Kulturhaus, Spital und Gymnasium wurden gebaut. Immer mehr Dorfbewohner zogen in die Stadt; es herrschte Vollbeschäftigung, der Staat sorgte für stabile Verhältnisse. Zur Wende 1989/1990 zählte Viseu de Sus über 25'000 Einwohner.

2005, nur fünfzehn Jahre später, ist die Bevölkerung auf knapp 17'000 Menschen abgesunken. Emigrierte in den ersten nachsozialistischen Jahren hauptsächlich die deutsche Minderheit, ist die Abwanderung heute ein allgemeines Phänomen. Fehlende Zukunftsperspektiven und eine extrem hohe Arbeitslosigkeit bewegt heute insbesondere die Generation der 20-30 Jährigen, in Grosstädten oder dem westlichen Ausland ihr Glück zu suchen. Und von denen, die es finden, kehren nur die Wenigsten wieder in ihre Heimatstadt Viseu de Sus zurück.

Zipser

„Zipser“ nennt sich die Minderheit der noch knapp tausend deutschsprechenden Bewohner von Viseu de Sus. Ihre Vorfahren, meist verarmte Kleinbauern oder besitzlose Handwerker aus Oberösterreich, kamen Ende des 17.Jahrhunderts in die damals zu Österreich-Ungarn gehörende Maramures. Später folgten ihnen auch Einwanderer aus der Landschaft Zips (Spyssky in der heutigen Slowakei) - daher der Name.

Als vertraglich gebundene Arbeitskräfte erschlossen sie die wirtschaftlich kaum genutzten Wälder am Rande des österreichisch-ungarischen Imperiums, waren Siedler und herrschaftliche Angestellte zugleich. Geschätzt wegen ihrer handwerklichen Geschicklichkeit und ihrem sprichwörtlichen Fleiss, brachten es die Zipser trotzdem bis in unsere Tage kaum zu Wohlstand, leben in einfachen Verhältnissen wie ihre Vorväter. Von der Welt vergessen und ohne Kontakt mit anderen deutschen Minderheiten wie den Siebenbürger Sachsen oder den Banater Schwaben, hielten sie hartnäckig an ihren Traditionen und ihrer Sprache fest.

Wer als Fremder durch die „Zipserei“ (von Zipser Reihe, Zipser Reihensiedlung) geht, dem ehemals rein deutsch/jüdischen Viertel von Viseu de Sus, vernimmt auch heute noch ein gelegentliches „Grüss Gott“ oder wird auf „teitsch“ angesprochen. Auch das Brauchtum ist erhalten geblieben und wird weiter gepflegt, so das Herodes-Spiel (ein sehr eigenwilliges Weihnachtstheater) oder das „Anschitt’n“ (anschütten der Mädchen und Frauen mit Parfüm) zu Ostern. Im August fahren die Zipser mit einem Sonderzug hinauf ins Wassertal nach Faina und begehen bei der dortigen Elisabethen-Kapelle den „Ablass zu Feinen“.

Der Sturz von Ceasescu und die Öffnung Rumäniens Ende 1989 bedeutete allerdings fast das Ende dieser Minderheit. Die folgende Auswanderungswelle nach Deutschland, in den goldenen Westen, erfasste die Gemeinde wie ein Fieber; in den Jahren 1990-1996 verliess die grosse Mehrheit der Zipser für immer Viseu de Sus und Rumänien. Heute hat sich die Situation beruhigt - wer noch in Oberwischau lebt, wird vermutlich auch hier bleiben. Noch gibt es für jeden Schuljahrgang eine deutsche Klasse (sie wird aber mehrheitlich von rumänischen Kindern besucht, die so die deutsche Sprache lernen…), und das Demokratische Forum der Deutschen betreibt eine gemütliche Gaststätte in der Zipserei.

Traditions

Feste & Feiretage

  • Ostern (rumänisch Paste): Grosse Feiertage mit Segnungs-Gottesdiensten, wo die Bevölkerung sich die zur Kirche mitgebrachten Ostergaben weihen lässt. Datum je nach Kalenderjahr; katholische und orthodoxe Ostern liegen auseinander!
  • Musikfestival „Armonii de Primavara“: Ende April, Kulturhaus Viseu de Sus,
  • Stadtfest: Juni/Anfang Juli (Ferienbeginn) im Zentrum, mit Folkloredarbietungen, Umzügen und Tischen im Freien
  • Ablass zu Feinen: Feiertag der Zipser Ende August/September in Faina (Wassertal), Sonderzug
  • Maria Geburt: Orthodoxer Feiertag am 8.September, beim Kloster in Valea Scradei (unteres Wassertal), Prozessionen
  • Weihnachten (rumänisch Craciun): (auch) nächtliche Gottesdienste, zahlreiche „Bethlehem-Spiele“ (rumänisch Viflaim) mit Glockenteufeln und phantastischen Kostümen, Umzüge, Feuerwerk, viel Betrieb!
Traditions